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Gräfin Berta Gyertyanffy de Bobda
von Dr. Franz Metz
Gräfin Berta Gyertyanffy de Bobda
mit ihrer Zigeunerkapelle (Budapest 1860)
Im Jahre 1941 veröffentlichte in Temeswar der Banater Journalist und Historiker Béla Schiff sein in ungarischer Sprache verfasstes Buch mit dem Titel Régi idök, régi emberek [Alte Geschichte, alte Persönlichkeiten]. Dieses Büchlein enthält eine spannende Erzählung über die Gräfin Berta [Gyertyánffy de Bobda] von Nakó. Die Anregung dazu kam zufällig: in einem Antiquariat fand der Autor ein Notenblatt mit dem Titel Unsere Ahnen. Original Csardás komponiert von Fabian Rácz, aufgeführt anlässlich eines Konzertes der Kroaten im Nationaltheater, es spielte Gräfin Berta von Nakó. Auf der Titelseite befand sich noch ein Bild mit einer schön gekleideten Dame am Klavier, umgeben von einer Zigeunerkapelle, nach einer Zeichnung aus dem Jahre 1860 von Fuchstaller.
Von den vielen Malereien der Gräfin ist uns ein einziges Gemälde erhalten geblieben, das sich in der katholischen Pfarrkirche von Großsanktnikolaus befindet. Links unten kann man den Namenszug der Malerin erkennen: “Gr. Bertha Nakó 1847”.
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Madonna, gemalt von Gräfin Bertva v. Nakó, 1847
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Namenszug auf dem Bild
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Die Gräfin Berta von Nakó war eine der bedeutendsten Frauengestalten des Banats, geschätzt als eine hochgebildete Persönlichkeit, eine gute Klavierspielerin, Malerin, Schriftstellerin und eine besonders gutherzige Frau. Alljährlich zur Weihnachtszeit teilte sie unter den Kindern ihres Gutes Großsanktnikolaus zahlreiche Geschenke aus. Als gebürtige Berta von Gyertyánffy lernte sie auf einem Ball in Großbetschkerek den jungen Grafen Kálmán von Nakó kennen. Diesem gehörte das ganze Gut um Großsanktnikolaus samt dem noch heute existierenden Schloss. Gegen den Willen seines Vaters, der noch unter König Franz I. gedient hat und für seine besonderen Verdienste den Titel eines Grafen erhalten und die Tochter des Grafen Georg von Fesztetics geheiratet hatte, heiratete er die junge Baronin Berta von Gyertyánffy. Die Heirat fand unter abenteuerlichen Umständen statt: der junge Graf bedrohte Pfarrer Emmerich Bukovits mit einer Pistole, wenn er ihm nicht ein Schreiben aushändigt, mit dem er anderweitig kirchlich heiraten kann. Nachdem er den Pfarrer in dessen Wohnung eingesperrt hatte, reiste er so hastig mit einem Vierergespann zu seiner Frau, dass zwei der Pferde bei der Ankunft starben. Trotzdem Pfarrer Bukovits sich befreien und den alten Grafen benachrichtigen konnte und dieser sofort mit einem Vierergespann seinem Sohn nacheilte, konnte die Ehe nicht mehr verhindert werden.
Berta von Gyertyánffy bekam als Mitgift das Gut Tolvád und ein Palais in Budapest, das jede Stunde ein Goldstück Nutzen brachte. Nach dem Tod des alten Grafen erbte das junge Ehepaar das ganze Anwesen in Großsanktnikolaus. In diesem Schloss organisierte sie regelmäßig Konzerte und Bälle, dabei trat sie oft mit ihrer hauseigenen Zigeunerkapelle unter der Leitung von Puka Jancsi auf.
Im Jahre 1860 war Gräfin Berta von Nakó die Schirmherrin eines besonderen Balls, dessen Erlös zur Errichtung einer Büste für den aus Großsanktnikolaus stammenden Forscher Nikolaus Révai verwendet wurde. Auch Berta trat mit ihrer Zigeunerkapelle bei diesem Fest auf. Das Konzert wurde in Budapest mit einem noch größeren Erfolg wiederholt, so dass selbst die Sonntagszeitung darüber berichtet hat. Von ihren Malereien fand das Marienbild in der Kirche von Großsanktnikolaus einen ehrwürdigen Platz. Ihre Aquarellen malte sie oft auf Reisen durch ganz Europa, wie auch während der Fahrt nach Ägypten. Ihr mit vielen Bildern bestücktes Tagebuch wurde auf ihren Wunsch hin nach ihrem Tod verbrannt. Graf Nakó ließ als Erinnerung an seine Frau eine Schule und ein Krankenhaus errichten.
Copyright © Dr. Franz Metz, München 2008
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