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E D I T I O N   M U S I K   S Ü D O S T

Martin Metz

(1933-2003)

 

Bischof Msgr. Martin Roos überreichte 2002 Martin Metz

für seine kirchenmusikalische Tätigkeit

die Sankt-Gerhards-Medaille der Temeswarer Diözese

 

Knapp 30 Jahre lang (1959-1988) wirkte in der Minoritenkirche zu Lugosch Martin Metz, der die schon bestehende reichhaltige Tradition der Lugoscher Kirchenmusik fortführte. Er kam am 7. Mai 1933 in Darowa (Kranichstätten) zur Welt. Schon mit 12 Jahren (1945) komponierte er das damals oft gesungene Kirchenlied Aus Elend Not und Leiden (Text: Pfarrer Josef Bido) und das Lied Mutter der Heimatlosen. Beide Lieder entstanden in der Zeit der Verschleppung (Deportation) eines großen Teils der deutschen Bevölkerung des Banats nach Russland ab Januar 1945. Auch sein Vater, Franz Metz, war einer der Vielen, die im Januar 1945 zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert wurden und dort starben. So musste Martin als 12-jähriger Knabe nun für den Unterhalt seiner Familie selbst sorgen. Pfarrer Josef Bido, der damals in Darowa wirkte, war ein guter Kenner der Kirchenmusik, ein Schüler des Temeswarer Domkapellmeisters Desiderius Jarosy und erteilte Martin Metz den ersten Musikunterricht.

Im Monat März 1946 erschien im Sonntagsblatt der Diözese Temeswar ein Artikel über den 12-jährigen Jungen aus Darowa, der ein Kirchenlied komponiert hat:

Verborgene Talente.

Vor einigen Tagen erhielt ich vom Dechantpfarrer aus Darowa einen Brief, darin fand ich Notenpapier, einige Kirchenlieder, von einem 12-jährigen Buben geschrieben und komponiert. Ich gab es einigen Musikern. Sie bewunderten es. Es muss ein musikalisches Talent in dem Buben sein. Sein Vater ist vor einem Jahr im Arbeitsdienst [Deportation] gestorben. Und der kleine Martin Metz musiziert, übt sich fleißig und komponiert... und blickt mit glänzenden Augen in die Zukunft. Ob er doch einmal ein großer Meister werden kann? Vorläufig hilft er fleißig auf dem Chor mit, wie Bach, Haydn, Mozart oder die anderen großen Musiker in ihrer Jugend.

 

Wetzl, der Herausgeber des Temeswarer Sonntagsblattes, bedankte sich bei Pfarrer Bido mit folgendem Brief:

Lieber Herr Dechant!

Ich danke sehr schön für die gesandten Lieder von dem kleinen Martin. Es ist wirklich zu bewundern, dass er so geschickt und fleißig ist. Bitte seiner Mutter diese Kleinigkeit, 10.000 Lei, zu geben, dass der Bube mehr Freude haben soll sich zu üben. Denn die Übung macht den Meister.

Mit herzl. Gruss: Wetz

Timisoara, 15. Februar 1946.

P.S. Wenn bessere Zeiten kommen, so kann man etwas ausdrucken. Jetzt ist es unmöglich.

 

Nun, diese “besseren Zeiten” wird Martin Metz während seiner fast 30-jährigen Tätigekti als Kantor, Chorleiter und Komponist in seiner Banater Heimat nicht mehr erleben: die kommunistische Diktatur schränkte die Tätigkeit der Kirchen und Glaubensgemeinschaften ein, die griechisch-katholische Kirche wurde 1948 in Rumänien verboten und die römisch-katholische war bis 1989 nur toleriert.

Trotzdem entschloss sich Martin Metz als Kirchenmusiker tätig zu sein. Nachdem seine Fortschritte in der Musik selbst die Kenntnisse seines Lehrers Pfarrer Josef Bido überschritten, reiste er wöchentlich in die benachbarte Stadt Lugosch, um dort beim bekannten Musikprofessor Dr. Josef Willer Theorieunterricht zu erhalten. Die uns erhaltenen Musikhefte aus jener Zeit belegen die umfassenden Kenntnisse seines Lehrers, besonders in den Fächern Harmonielehre und Kontrapunkt. Im Jahre 1959 konnte Martin Metz die Kantorenprüfung in Temeswar ablegen. Dieses Diplom ist in deutscher Sprache verfasst und hat folgenden Wortlaut:

 

Vom röm.-kath. Ordinariat Timisoara

Nr. 898/1959

Herrn Martin Metz / Darova

Auf Grund des Protokolls vom 18. Juni 1959 wird festgestellt, dass Sie an diesem Tage vor der dazu bestimmten Prüfungskommission, bestehend aus:

H.H. Dr. Fodor Josef für Liturgie,

H.H. Hauptmann Ferdinand für liturg. Gesang und

H- Wittmann Paul für Orgel und Kirchengesang

die KANTORENPRÜFUNG mit Erfolg abgelegt und mit der allgemeinen Wertung: “ausgezeichnet” bestanden haben.

Diese mit Erfolg bestandene Prüfung berechtigt Sie dazu, wo immer eine Kantorenstelle annehmen zu dürfen, indem gegenwärtiges Schriftstück bei Bewerbungen als Diplom zu bewerten ist.

Versehen Sie Ihren Dienst stets so, dass er Gott zur Ehre und den Gläubigen zur Erbauung gereiche!

Timisoara, 19. Juni 1959

Konrad Kernweisz, Ordinarius

Im Jahre 1959 wurde Martin Metz die Stelle des Kirchenmusikers an der Lugoscher katholischen Pfarrkirche (Minoritenkirche) angeboten. Er nahm diese Stelle an und musste nun auch die ungarische Sprache erlernen. In Lugosch hatte er von seinem Vorgänger Andor Arató einen Kirchenchor übernommen, der wegen den politischen Verordnungen jener Zeit zusammengeschrumpft war. Viele Intellektuelle mussten wegen strengen politischen Restriktionen der Kirche fern bleiben. Es schien so, als würden die langen besonders reichen kirchenmusikalischen Traditionen an der Lugoscher Minoritenkirche damit zu Ende gehen. Martin Metz gelang es jedoch in nur kurzer Zeit den Kirchenchor zu vergrößern. Daneben probte er regelmäßig mit dem Männerchor, einem deutschen und einem ungarischen Frauenchor. Mit der Zeit entwickelte sich der Lugoscher Kirchenchor zum aktivsten Kirchenchor der Temeswarer Diözese.

In jener Zeit entstanden auch einige kleinere kirchenmusikalische Werke. Stets war Martin Metz bestrebt noch dazu zu lernen, um so auch seine kompositorischen Kenntnisse zu verbessern. Im Jahre 1961 schickte er dem Temeswarer Kirchenmusiker Paul Wittmann eine seiner Kompositionen zur Begutachtung. Dieser antwortete am 9. Januar 1962 mit folgendem Brief:

Lieber Herr Kollege!

Herr Rosenberger hat mir vor einem Monat eine Komposition von Ihnen gebracht. Sie gefällt mir, ich habe mich sehr gefreut darüber. Aber das Sie nicht beikommen, will ich rasch und kurz so manches fragen und sagen:

Von wem ist der Text? Ist der Dichter bekannt?

Der Text ist schön, aber sehr ernst! Im allgemeinen singen meine Sänger nicht gerne solche ernsten Texte. Ich glaube, meine Sänger haben “Angst vom Tod”. Ich glaube, es ist richtiger und schöner 3 rhythmische Abänderungen durchzuführen: im 3. und 7. Takt; im 5. Takt habe ich 4/4 genommen.

Die Melodie ist in Dur gehalten, somit schon manches gerettet. Falls wir christlich leben, müssen wir den Tod nicht in Moll schreiben. Sie ist für 2 Stimmen gedacht, reich an Terzen und Sexten im Alt. In diesem Fall trägt meistens die Begleitung die Schwäche. Im 3. und 6. Takt ist der g-b Sprung nicht schön und klingt wenig kirchlich.

Die Harmonie zeigt eine Oktavparallele im 1. und 5. Takt. C-Des im Bass und Alt! Weiters im 3., 9., 11. Takt ist Tenor und Alt sehr weit von einander. das ist eine Schreibweise für Männerchor. Somit habe ich es auch versucht, daraus einen Männerchor zu machen, diesen lege ich hiermit bei.

Tempo und Dynamik auch angeben! Form des Liedes ist sehr glücklich gelungen. Im allgemeinen leicht und gefällig! Ich denke, nochmals umarbeiten, dann kann man vom Ordinariate Timisoara um eine Gutheißung ansuchen, ich hoffe auch erlangen. Aber angeben, für 2 Stimmen mit Orgel.

Aber nicht lange verziehen, weil ich will spätestens im Mai die Komposition mit meinem Männerchor aufführen, falls Sie mit diesem Satz für Männerchor einverstanden sind. Ich habe möglichst Ihre Harmonie behalten. Auch für 3-stg. Damenchor in B-Dur wäre sie sehr schön, sowie für Volksgesang in F. Für gemischten Chor kann ich nichts sagen, bis die Harmonie nicht umgeändert ist.

Für diese Arbeit muss ich Ihnen gratulieren, lernen Sie aber gründlicher die Harmonielehre, setzen Sie die Arbeit weiter fort, Sie werden daran große Freude haben, es lohnt sich!

Falls wir diesen Chor eingelernt haben, will ich eine Aufnahme machen auf Magnetophon und Ihnen diese vorspielen, per Gelegenheit.

Noch eine Frage: das Manuskript soll ich Ihnen zurücksenden? Weiters bitte ich Sie mir mitzuteilen, ob Sie mit meinem Plan einverstanden sind? Bezüglich des Satzes und Vortrags des Männerchores?

Es grüßt Sie vielmals,

Paul Wittmann

 

Seine Banater Gemeinschaftmesse (komp. 1981) wird auch heute noch in vielen Kirchen gesungen. Er ist auch der Verfasser einer Kurzen deutschen Messe (Text: Pater Herbert Laschober). 1967 komponierte er das Lied zur heiligen Rita (Gedenktag 22. Mai) nach einem Text von Pater Eberhard, 1982 das Martinuslied welches jährlich am 11. November, am Tag seines Namenspatrons, gesungen wurde.

Martin Metz legte besonders großen Wert auf die Pflege des Kirchenliedes. In der katholischen Pfarrkirche zu Lugosch wurden diese deutschen Kirchenlieder meist von einem Frauenchor zwei- oder dreistimmig gesungen. Einen regelrechten einstimmigen Gemeindegesang – im allgemeinen Verständnis – gab es im Banat jener Zeit nicht mehr. Man sang noch 1990 aus jenen Gesangbüchern, welche in der Zwischenkriegszeit gedruckt wurden. Der Druck neuer kirchlicher Gesangbücher war damals, im sozialistischen Rumänien, nicht erlaubt gewesen. Neue Lieder wurden entweder auf der Schreibmaschine vervielfältigt und in einem Singheft gesammelt, oder von den Sängern eigenhändig in ein Büchlein abgeschrieben.

Für seine besonderen Verdienste für die Kirchenmusik der Temeswarer Diözese wurde ihm durch Bischof Martin Roos im Jahre 2002 die Sankt-Gerhards-Medaille in Gold verliehen. Martin Metz war Lehrer vieler junger Kantoren des Banats, unterstützte viele Kirchenchöre und Kollegen auf dem gesamten Gebiet der Banater Diözese und gestaltet regelmäßig mit seinem Kirchenchor Gottesdienste weit und breit. So auch die regelmäßigen Wallfahtern nach Maria Radna, obzwar solche in der damaligen Zeit nicht erlaubt waren. Selbst in den Dorfkirchen von Jahrmarkt und Neubeschenowa führte er mit seinem Kirchenchor und Kirchenorchester Haydns Passionsmusik Die sieben letzten Worte unseres Erlösers Jesus Christus am Kreuze auf.

Zu den Aufgaben Kantors gehörte auch das Singen bei den Beerdigungen. Dazu gehörten die Abschiedslieder, die nach einer bestimmten Melodie gesungen wurden. Der Text des Abschiedsliedes musste für jede Beerdigung den biographischen Einzelheiten des Verstorbenen angepasst werden. Darin mussten u.a. die Namen der Verwandten, der Nachbarn und Freunde genannt werden. Diese Lieder sang der Kantor meist gemeinsam mit dem Pfarrer zweistimmig. In den fast 30 Jahren seiner Tätigkeit in Lugosch musste Martin Metz mehrere tausend solcher Lieder mit deutschem, ungarischem oder rumänischem Text für die Beerdigungen vorbereiten.

Nach seiner Ausreise nach Deutschland wirkte er vom Jahre 1989 an bis zum 16. November 2003 als Kirchenmusiker in Schönaich (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Für seine kirchenmusikalischen Verdienste wurde Martin Metz 2003 vom Cäcilienverband und durch den Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst, geehrt.

 

Bilddokumentation

 

Martin Metz (1933-2003)

Darowa, Kirche

Darowa, Kirchenorgel

Pfarrer Josef Bido erteilte Martin Metz den ersten Musikunterricht

Im Temeswarer Sonntagsblatt erschien 1946 ein Artikel über die Komposition des Jungen aus Darowa

Erstes Honorar des 12-jährigen Komponisten vom Herausgeber des Temeswarer Sonntagsblattes, Wetzl, 1946

Martin Metz als junger Kantor der katholischen Kirchengemeinde Darowa

Dr. Josef Willer erteilte Martin Metz Unterricht in Musiktheorie

Martin Metz als Leiter des Darowaer Kirchenchores (um 1952)

Während seiner Militärzeit wirkte Martin Metz als Kapellmeister in Petrosani (um 1955)

Dienstausweis als Kirchenmusiker zu Darowa (1959)

Kantorendiplom der Temeswarer Diözese (1959)

Katholische Pfarrkirche (Minoritenkirche) Lugosch

Wirkungsstätte von Martin Metz 1959-1988: Orgel der Lugoscher katholischen Kirche

Gutachten des Temeswarer Kantors und Organisten Paul Wittmann bezüglich einer Komposition von Martin Metz (1962)

An der Darowaer Orgel (um 1965)

Lugoscher katholischer Kirchenchor (1966) mit Dirigent Martin Metz und P. Herbert Laschober

Lugoscher katholischer Kirchenchor (1967) mit Dirigent Martin Metz und den Geistlichen P. Michael Kulcsar und Wenzel Demele

Martin Metz mit seinem Kirchenchor vor der neu erbauten Kirche in Orschowa

Martin Metz mit seinem Kirchenchor in Grosssanktnikolaus (1969)

In seinem Element: Martin Metz dirigiert den Kirchenchor (1984)

Der Lugoscher Kirchenchor in Klausenburg (1987)

Martin Metz beim Lugoscher Treffen in Deutschland (1989)

Mit P. Dr. Elmar Kroner im Hof des Lugoscher Minoritenklosters (1991)

Konzert nach fast 50 Jahren mit seinem Darowaer-Spaichinger Kirchenchor (Rastatt 1999)

Gemeinsam mit dem Komponisten Prof. Peter Kleckner an der Orgel zu Maria Radna (um 1990)

Leiter des Kirchenchors der katholischen Kirchengemeinde Schönaich (1999)

Wallfahrt nach Altötting (2001)

Letzter großer Auftritt: mit seinem Darowaer-Spaichinger Kirchenchor beim Banater Chortreffen (Gersthofen 2003)

Bischöfliches Dekret über die Verleihung der Sankt-Gerhards-Medaille der Diözese Temeswar für besondere kirchenmusikalische Verdienste (2001)

An der Orgel der katholische Pfarrkirche zu Schönaich (Mai 2003)

Ehrenbrief des Cäcilienverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart (2003)

Ehrenbrief des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst (2003)

 

Copyright © Dr. Franz Metz, München 2007

 

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